Diversität wird zum Wettbewerbsvorteil

Veraltete Rollenbilder bremsen den Wandel in vielen Kanzleien aus. Dr. Katy Ritzmann möchte das ändern. Als Partnerin und Mitglied im Strategy- und Marketboard von GSK Stockmann treibt sie Digitalisierung und Diversität voran. Im Interview spricht sie über neue Erwartungen an Führung, den Einfluss von KI und erklärt, warum Partnerschaft neu gedacht werden muss.

Frau Dr. Ritzmann, was muss sich ändern, damit mehr Vielfalt in der Partnerschaft möglich wird?

Die Anwaltschaft wird zunehmend weiblicher, gleichzeitig sind in den Partnerschaften vielerorts immer noch überwiegend Männer vertreten. Dieses Missverhältnis muss sich wandeln, denn unterschiedliche Perspektiven und Lebensrealitäten bereichern unsere Arbeit. Diversität und moderne Führung sind längst auch ein wirtschaftlicher Faktor. In Ausschreibungen und Pitch-Aufforderungen wird zunehmend gezielt gefragt, wie viele Frauen in der Kanzlei Führungsverantwortung tragen.

„Als Bereichsleiterin für Corporate sehe ich, wie wichtig es ist, Veränderung aktiv zu gestalten – im Team gemeinsam mit Juristen, Legal-Tech- Spezialisten und Betriebswirten.“

Was bedeutet das für Karrierewege in Kanzleien?

Sie werden maßgeschneiderter. Wir bei GSK bieten flexible Modelle, um Familie und beruflichen Erfolg auf allen Karrierestufen zu vereinbaren – für Frauen und Männer. Wir verstehen den Begriff »Karriere« als persönliche Entwicklung. Sichtbarkeit, unternehmerisches Denken und echte Mandantenorientierung sind heute zentrale Faktoren.

Auch die Arbeitsweise wandelt sich, nicht zuletzt durch den Einsatz von KI …

Wir nutzen KI, um repetitive Tätigkeiten zu automatisieren, die Qualität zu sichern und Mandatsergebnisse schneller zu liefern. Aber auch, um ganz neue Beratungsprodukte anzubieten, die mit menschlichen Ressourcen bisher nicht möglich waren. Dadurch haben unsere Teams mehr Freiraum für strategische, kreative und rechtlich komplexe Arbeit. Extern merken wir, dass Mandanten gezielt nach Kanzleien suchen, die KI und Legal Tech einsetzen. Sie erwarten nicht nur eine höhere Effizienz, sondern auch, dass wir auf Augenhöhe mit ihren eigenen Technologien arbeiten.

Haben Sie keine Sorge, dass sich Kanzleien durch den Einsatz von KI langfristig selbst abschaffen könnten?

Nein, denn die Arbeit verändert sich und wir werden als Trusted Advisor wichtiger denn je. Unsere Mandanten wollen keine Maschinen, sondern kluge Köpfe, die komplexe Zusammenhänge verstehen und einordnen können und sie individuell beraten.

Was braucht es, um Kanzleien durch diese Transformation zu führen – ohne die juristischen Werte zu verlieren?

Klarheit und Dialog. Als Bereichsleiterin für Corporate sehe ich, wie wichtig es ist, Veränderung aktiv zu gestalten – im Team gemeinsam mit Juristen, Legal-Tech Spezialisten und Betriebswirten. Wir wollen wachsen, breiter beraten, neue Branchen erschließen und ständig Wissen aufbauen. Transformation bedeutet nicht, Werte über Bord zu werfen, sondern ihnen treu zu bleiben und sie agil bei veränderten Rahmenbedingungen als Stärke einzusetzen.

Wie sieht Ihre Vision für die Kanzlei im Jahr 2035 aus?

Ich glaube, dass Legal Tech vor allem viele Routinetätigkeiten übernehmen wird. Das erhöht die Geschwindigkeit und erlaubt es, sich als Trusted Advisor darauf zu konzentrieren, den Mandanten als individueller juristischer Sparringspartner zur Seite zu stehen. Gleichzeitig wird der Bedarf an juristischer Strategie, Empathie und starken Führungsqualitäten steigen. Kanzleien müssen sich kulturell öffnen: für neue Berufsbilder, flexible Karrieren, aber auch für Kollaborationsmodelle. Dann wird die Partnerschaft nicht nur diverser, sondern auch zukunftsfähiger.

Den vollständigen Rechtsguide können Sie hier herunterladen:

Drucken
Pressekontakt:

Ansprechpartner