Investitionen in Defencetech-Unternehmen sind in Europa innerhalb kurzer Zeit von einem Nischensegment zu einem dynamischen Wachstumsmarkt geworden. Die aktuellen geopolitischen Veränderungen, die Neuausrichtung staatlicher Beschaffung sowie die zunehmende Kommerzialisierung und Massenproduktion sicherheitsrelevanter Technologien haben dazu geführt, dass Venture-Capital- und Private-Equity-Investoren heute verstärkt in diesen Sektor investieren.
Im Defence-Sektor gelten besonders komplexe und strenge rechtliche Rahmenbedingungen. Die Herkunft der Investoren und ihr tatsächlicher Einfluss auf das Unternehmen nach dem Investment sind entscheidend. Bereits geringe Beteiligungen können relevant sein, wenn damit Vetorechte, Board Seats oder Einsichtsrechte verbunden sind. Insbesondere Investoren aus Nicht-EU- oder Nicht-NATO-Staaten werden schnell als sicherheitskritisch eingestuft. Meldepflichten bestehen häufig ab zehn Prozent Stimmrechten, unabhängig von Einfluss oder Unternehmensgröße. Die Prüfprozesse im Rahmen von FDI-Verfahren (Foreign Direct Investment) können mehrere Monate dauern und erfordern eine sorgfältige Planung.
Auch die sicherheitsrechtliche Auftragseignung, die sogenannte Eligibility, ist ein zentraler Aspekt. Staatliche Auftraggeber verlangen nicht nur die Zuverlässigkeit des Unternehmens, sondern auch die seiner Eigentümer und handelnden Personen. Kontrollrechte wie Vetorechte oder umfangreiche Informationsrechte können die Eligibility gefährden, insbesondere wenn Investoren aus Drittstaaten sicherheitsrelevante Informationen erhalten. Lösungen bestehen darin, Einfluss- und Informationsrechte auf ein akzeptables Maß zu begrenzen oder bestimmte Defence-Programme von solchen Rechten auszunehmen. Dies geschieht oft in Abstimmung mit den zuständigen Behörden.
Die Vertragsgestaltung im Defence-Sektor umfasst Closing-Bedingungen wie FDI-Freigaben und Sicherheitsüberprüfungen, begrenzte Informationsrechte nach dem Erforderlichkeitsprinzip, Clean-Reporting-Mechanismen sowie die Abschirmung von IP und sicherheitsrelevanten Daten. Klare Board-Strukturen und Meldepflichten bei Veränderungen der Eigentümerstruktur sind ebenfalls essenziell.
Bei der Due Diligence im Defence-Sektor müssen sicherheitsrelevante Aspekte wie Exportkontrolle, Rüstungsgüterklassifikation, IP-Sicherheit und Know-how-Schutz besonders sorgfältig geprüft werden. Defencetech-Unternehmen müssen strenge Integritätsanforderungen erfüllen, da unzureichende Compliance-Systeme zu Ausschlüssen aus Beschaffungsverfahren und unmittelbaren Auswirkungen auf den Unternehmenswert führen können. Sensible Informationen können als Verschlusssache oder „NATO Secret“ klassifiziert sein, weshalb häufig eine sogenannte Clean-Team-Due Diligence notwendig wird.
Investitionen in den Defence-Sektor bieten große Chancen, erfordern jedoch eine vorausschauende Planung und hohe juristische Präzision. Wer die rechtlichen Besonderheiten berücksichtigt, reduziert Risiken und schafft die Grundlage für erfolgreiche Investments in Defencetech-Unternehmen.